Der Alpenverein erkundet die Entstehung der Berge
| Sektionsberichte/Presse |
Bad Reichenhall: Am Samstag den 06.06.2011 fanden sich 16 interessierte Bergfreunde, eingeladen von der Alpenvereinssektion Bad Reichenhall, zu einer Wanderung von Hallthurm nach Bad Reichenhall ein. Prof Dr. Heinrich Zankl erklärte dabei die Entstehung unserer schönen Landschaft und erläuterte die am Weg liegenden geologischen Merkmale. Das Wetter zeigte sich erfreulicherweise von seiner besten Seite.
Am frühen Vormittag fuhr die Gruppe mit dem ersten Linienbus vom Kirchberger Bahnhof zur Haltestelle Winkl-Zollhäuser. Von dort erfolgte der kurze Aufstieg zum Gipfel des Eisenrichtersteines, eine sehr schöner Aussichtspunkt mit gutem Blick auf die Berchtesgadener Berge. Vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren entstand der Felsen als Korallenriff in einer flachen Meeresbucht, die vom nördlich gelegenen Meer wie ein Fjord in das Gebirge reichte. Der Eisenrichterstein besteht also aus Kalkresten von Korallen und anderen Lebewesen. Die Entstehung der ältesten Gesteinsschichten in unserer Heimat begann bereits vor 250 Millionen Jahren. Die gewaltigen Kräfte, die bei der Gebirgsbildung wirkten, erklärte Prof. Zankl am Beispiel der Berchtesgadener Decke, so bezeichnen Geologen die waagrecht geschichteten Gebirgsstöcke Untersberg, Lattengebirge und Reiteralpe. Sie wurden über andere Gesteinsschichten geschoben, die als Watzmann auf der einen und als Hochstaufen auf der anderen Seite schräg emporragen. Die endgültige Form der Landschaft entstand in der letzten Eiszeit, die vor ungefähr 10.000 Jahren zu Ende ging.
Die nächste Station war nach Hallthurm. Dort liegen Felsbrocken eines gewaltigen Felssturzes aus dem Untersberg, der sich nach der letzten Eiszeit ereignete. Die Gesteinstrümmer wurden teilweise bis auf den Nordhang des Lattengebirges geschleudert. An der Gesteinsart lasse sich feststellen, dass die Felsen von dort stammen. Der Hang des Untersberges über Hallthurm sei bis heute noch nicht ganz zur Ruhe gekommen und müsse überwacht werden, erklärte Prof. Zankl, um beispielweise die Verkehrswege zu sichern. Die Wanderung wurde auf dem Salinenweg über Bayerisch Gmain nach Bad Reichenhall fortgesetzt. Auch hier sind im oberen Bereich noch viele Trümmer des Felssturzes zu finden. Prof. Zankl zeigte auch, dass auf Steinen, die für den Laien ganz gewöhnlich aussehen, für den Geologen allerhand Spuren längst vergangener Zeiten zu sehen seien. Die Geologie sei auf derartige Indizien angewiesen und müsse damit die vergangenen Ereignisse, die unsere Landschaft geschaffen haben so gut wie möglich nachvollziehen.
Ein kleiner Aufstieg auf der Nordseite des Lattengebirges führte auf das Krönner-Riff. Es entstand in der Gosauzeit, ist also älter als der Eisenrichterstein. Eine Besonderheit sind dort hornförmige Muscheln, Hippuriten, die in Gruppen meist am Untergrund festgewachsen, der Meeresbrandung widerstanden und so zur Riffbildung beigetragen haben. Sie konnten die Größe von etwa einem Meter erreichen. Entdeckt wurde das Riff von einem Reichenhaller Lehrer, nachdem es auch benannt wurde. Es steht unter Naturschutz und soll als Geotop, so wie die Steinerne Agnes, besonders geschützt werden.
Der weitere Weg führte an einem verschlossenen Bohrloch vorbei. Prof. Zankl berichtete von den im Reichenhaller Tal durchgeführten Bohrungen, die zum Teil mehr als eintausend Meter tief eingebracht worden seien. Dabei konnte festgestellt werden, dass der mächtige Salzstock, auf dem sich Bad Reichenhall befindet, auch unter das Lattengebirge reiche. Das Gewicht des Berges drücke das weiche Salzgestein nach unten und zur Seite, so dass trotz Auswaschungen durch natürliche Solequellen und Salzförderung unterhalb der Stadt keine gefährlichen Hohlräume entstünden. Nach fünf sehr interessanten und kurzweiligen Stunden erreichte die Gruppe am Festplatz den Ausgangspunkt.
