Die große Bedeutung des Bergwaldes

Umweltschutz

 

2007 hat der Sturm „Kyrill“ enorme Schäden in den Schutzwäldern im Reichenhaller Talkessel hinterlassen. Nach dem letzten traumhaften Winter für Skisportler zeigte sich im Frühjahr 2009,dass nicht nur Stürme, sondern auch Lawinen das Erscheinungsbild in der Natur verändern. Jeder, der am Staufen den Weg über die „Steinernen Jäger“ begeht, kommt an einer neuen Schneise im Schutzwald am Hausberg unserer Sektion vorbei. Den besiedelten Bereich Nonner Oberland hat der Schutzwald aber im wahrsten Sinn des Wortes beschützt.
Die Bedeutung des Schutzwalds war auch Inhalt einer Tagung der Bayerischen Staatsforsten, die am 26. Juni 2009 in Ruhpolding stattfand.

Welcher Aufwand für den Erhalt des Schutzwaldes notwendig ist und welche Kosten anfallen ist u.a. Teil des Berichts von Peter Höser, der dankenswerterweise mich und die Sektion bei der Tagung vertreten hat.

„Neben den Verbandsspitzen von Bund Naturschutz, DAV, Verein zum Schutz der Bergwelt und Landesbund für Vogelschutz war unsere Sektion von den Staatsforsten zu einer Informationsveranstaltung zur Schutzwaldbewirtschaftung am Beispiel „Forstbetrieb Ruhpolding“ eingeladen worden“, berichtet Peter und erzählt weiter:

„Wir alle kennen den Bergwald. Bei jedem Weg zu unseren Gipfeln durchsteigen wir ihn. Aber nehmen wir ihn immer richtig wahr? Lassen wir den Wald selbst erzählen:

Für euch halte ich Muren und Lawinen zurück. Speichere große Mengen Wasser und entziehe der Luft viele Schadstoffe. Ich bin wichtig und brauche deshalb Pflege. Damit ihr wisst, wie es um mich bestellt ist, nur ein kleiner Ausschnitt aus meinem Sanierungsgebiet „Danzing“ im Bereich des Forstamts Ruhpolding.

Es liegt zwischen 800 m und 1600 m, deckt also die gesamte Bergmischwaldzone und auch noch den subalpinen Bereich ab. Auf den süd- und südwestseitig exponierten Hängen bilden sich Flächen, die infolge Beweidung, Kahlschlag und überhöhter Wildbestände geschädigt sind. Diese Zonen haben aber wichtige Schutzfunktionen und wurden deshalb saniert. Natürlich nicht alles, sondern nur etwa 75 ha. Billig war das nicht. Ich bin dem Bayerischen Staat aber lieb und teuer.

Von 1988 bis 1993 wurden 31600 Bäume gepflanzt und gekostet hat das 115000 Euro .Leider hat das Wild alles wieder verbissen, so dass ein Jahr später nichts mehrauffindbar war. Zuviel Wild verlangt den Jäger. Ich kann sonst nicht überleben. Das Forstamt hat dazu gelernt, das Wild auf ein verträgliches Maß reduziert und die Arbeit neu begonnen.

Von 1994 bis 2009 wurden 446000 Bäume gesetzt, 12 Steige gebaut, 3 Weidezäune errichtet und 367 Stück Wild abgeschossen. Dann kam noch Kyrill dazu und die Kosten beliefen sich auf 284000 Euro. Ihr müsst euch vorstellen, mit diesem Betrag wurden nur 10 ha wieder bewaldet.

Im bayerischen Alpenraum liegen aber 1300 mal so viele Sanierungsflächen, also 13000 ha. Meine 10 ha rekultivierte Fläche verjüngt sich wieder natürlich. Meine Waldarbeiter und den Förster hat das viel Schweiß gekostet, dem Bürger spart es aber viel Geld. Kyrill und Emma, die beiden Stürme, haben mir sehr zugesetzt.

Rund 1100 Festmeter Holz wurden umgeworfen und mussten aufgearbeitet werden. Sie wurden mit Seil, Hubschrauber und Handentrindung versorgt. Die Kosten betrugen 575.000 Euro, weit mehr als erlöst wurde. Ein Ster Hubschrauberbringung schlägt allein mit 78 Euro zu Buche.

Dies also nur für mein Sanierungsgebiet „Danzing“. Schaut mich mit offenen Augen an. Ihr wisst nun, wie notwendig und empfindlich ich bin.

Euer Bergwald wünscht Euch noch viele schöne Touren.

Denken wir bei unserem nächsten Weg durch den Bergwald an die Arbeit, an die Kosten, aber auch an den Nutzen, den wir von ihm haben. Wir brauchen ihn zu unserem und unserer Kinder Schutz und Nutzen.“

Danke Peter für deine Mühe. Das Tagungsprotokoll kann bei Informationsbedarf bei mir eingesehen werden.

Ich danke allen Initiatoren und Helfern in der Sektion, die sich auch vergangenes Jahr wieder im Sinne des Naturschutzes bemüht und verdient gemacht haben.

Abschließend bitte ich wieder um Beachtung der Regelungen vom „Skibergsteigen umweltfreundlich“. Informationen dazu bei den AV-Sektionen und deren Homepages.

Bad Reichenhall, im September 2009


Reinhard Eichinger

 
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